21. November 2014 : 

Vortrag in der Stadtbücherei

 

 

Professor Ulrich Meier, ein gebürtiger Blomberger, streifte schon als Junge durch Blombergs Wälder. Nun, nach seiner Emeritierung, zieht es ihn wieder nach Blomberg, um mit dem Wissen eines Historikers verborgene Schätze zu heben. In zwei Urkunden von 1525 und 1527, in denen es um Hudestreitigkeiten zwischen dem Blomberger Kloster und der Stadt Blomberg geht, fand er Hinweise auf eine Blomberger Landwehr, z. T. mit genauen Daten der Durchlässe, Hofstellen und Himmelsrichtungen.

 

 

Häufig gab es Streitigkeiten um die Hude (Weidegründe) zwischen Stadt, Amt und Kloster Blomberg.  

Im späten Mittelalter, als es noch keine geregelte Verwaltung gab, mussten Städte und manchmal auch Dörfer oder größere Gebiete ihre Feldmarken und Viehbestände gegen Überfälle durch marodierende Truppen schützen. 

Bei den zahlreichen Fehden (kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Adligen) kam es immer wieder zu Viehdiebstählen sowie Verwüstungen von Feldern und Siedlungen durch oft nur kleine Trupps von Soldaten.

 

 

 

 

Schutz gegen solche Überfälle bot eine Landwehr, eine Wall-Graben-Anlage die mit dichten, schwer durchdringlichen Hecken (Hagen, Knicks) aus Dornensträuchern (Weißdorn, Schlehen, Rosen u.a.) bepflanzt waren. 

Warttürme an wichtigen Straßen oder auf vorgelagerten Bergen dienten zur Beobachtung der Umgebung und zur frühzeitigen Warnung der Stadtbewohner bei heranrückenden Truppen (z.B. durch Rauchzeichen).

Die Blomberger Stadtlandwehr war nach den aktuellen Ermittlungen von Ulrich Meier ca. 20 km lang und hatte 10 Durchlässe für Straßen oder Wege, die mit Schlagbäumen gesichert waren. Alte Blomberger Familiennamen wie Schlüter oder Hagedorn erinnern an die Aufgabe, diese Schlagbäume zu bedienen und zu bewachen. 

Bau und Instandhaltung der Landwehr musste von den Blomberger Bürgern geleistet werden.

 

 

 Später überwucherten die Bäume die Landwehr. Die Gräben verlandeten.

Heute sind sie kaum noch zu erkennen:

 

Verlauf der mittelalterlichen Blomberger Stadtlandwehr nach den aktuellen Ermittlungen von Ulrich Meier aufgrund von urkundlichen Hinweisen und geringen Spuren im Gelände (durchgezogene Linien bei A und C).

 In der Karte sind auch mehrere Warttürme zur Beobachtung der weiteren Umgebung eingezeichnet.

 

        Alle Zuschauer sind aufgefordert, die vermuteten Verläufe einmal in der Natur zu besuchen und zu beobachten.

Am erfolgreichsten bietet sich der Winter an. Wenn kein Laub auf den Bäumen ist, teilweise Schnee liegt oder teilweise geschmolzen ist, könnten sich Bodenerhebungen und Vertiefungen in geradem Verlauf abzeichnen.

Professor Ulrich Meier plant ebenfalls weitere Begehungen. Bei Uwe Feiert können sich Interessierte melden. Im Frühjahr können Erkundungen stattfinden.

Auch ist es Interessant, wenn man Bodenfunde mitteilt. Bekannt sind z. T.  die genauen Standorte einiger Warttürme. Eventuell könnten auch Grabungen durch Archäologen vorgenommen werden.

Eine weitere Hilfe sind die heutigen Luftaufnahmen mit "Airborne Laserscanning" 


Mit dieser modernen Methode ist es möglich, sehr genaue Bilder der Geländeoberfläche aus der Luft zu erzeugen, die alle Erhebungen und Vertiefungen im Gelände ohne Pflanzen- und Baumbewuchs zeigen. Spuren von alten Wällen, Gräben, Bauwerken oder Hohlwegen sind auf den Aufnahmen sehr gut zu erkennen.

 

Hier eine Aufnahme vom Eichenberg, Wasserbehälter links unten, Wartturm auf dem Eichenberg rechts unten mit vermuteter Landwehr schräg nach oben 
(Nr. 5 in der Übersichtskarte).

Deutlich ist der heutige Wanderweg zu erkennen. (und viele Hohlwege von alten Straßenverläufen)

 

Das Thema bleibt aktuell, auch in Westfalen und den lippischen Nachbarstädten Lemgo und Lügde wurden die Landwehren erforscht. In der aktuellen Ausgabe der "Lippischen Mitteilungen" (Nr. 83, 2014) des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für Lippe e. V.  gibt es einen Themenschwerpunkt "Landwehren", hier kann der Beitrag von Ulrich Meier zur Blomberger Landwehr nachgelesen werden. Außerdem gibt es interessante Aufsätze von Hermann Hentschel zur Lemgoer Landwehr und von Willy Gerking zur Landwehr der Stadt Lügde. Die Lippischen Mitteilungen sind für 24 Euro im Buchhandel oder beim Landesarchiv OWL in Detmold (Willi-Hofmann-Str. 2) erhältlich.

Eine spannende Sache! 

Ein herzliches Dankeschön an Ulrich Meier, der die Initiative ergriffen hat und weiter forschen wird!

 Text: Storkebaum/Stiewe; Fotos: Storkebaum   

      


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