23. November 2014 : 

Feierliche Eröffnung der Schuhmacherwerkstatt und der zugehörigen Dauerausstellung 
in der Stadtbücherei

 

 

Lange angedacht, lange geplant, lange hergerichtet: 

Endlich war es heute soweit, die kleine Schuhmacherwerkstadt in der Stadtbücherei wurde der Öffentlichkeit übergeben.

 

Der Vorsitzende des Heimatvereins Blomberg und 
der Bürgermeister der Stadt Blomberg 
bereiten sich auf die Eröffnungsreden vor.

 

Erhard Oerder begrüßt die Gäste.

Klaus Geise bedankt sich bei allen Beteiligten, die zur Verwirklichung des Projektes beigetragen haben.

 

Geehrt wurden von Herrn Oerder besonders die Hauptbeteiligten:

 

Heinrich Prasse, der Sohn des letzten Inhabers der einzigen Schuhfabrik in Blomberg warb sehr dafür, eine Erinnerungsstätte des Schuhmacherhandwerks in Blomberg zu errichten. 
Er steuerte viele Einzelstücke aus seiner Familie bei und  beriet den Heimatverein bei der Einrichtung.

Frau Nadine Behrmann recherchierte die Fakten, erstellte den Flyer und die Broschüre.

Uschi Schmitt, die Leiterin der Stadtbücherei, betreute das Projekt die ganze Zeit und wird auch weiterhin die Betreuung der Ausstellung und der Schumacherstube haben.

 

Der Schuhmachermeister Bernhard Claassen ist der einzige noch amtierende Schuster in Blomberg. Auch er stand dem Projekt mit Rat und Tat zur Verfügung. Von ihm stammt auch ein Teil der Ausstellungsstücke.  *)

Im Januar 2015 erreichte uns die Nachricht, dass Bernhard Claassen verstorben ist.  **)

 

 

                                                                                                                                                                                   

Nadine Behrmann gab dann eine ausführliche Einführung zum Thema Schuhmacherhandwerk in Blomberg

Die Schuhmacherei bildete den Haupterwerbszweig in Blomberg. 

Um 1800 gab es ca. 130 Schuhmachermeister. In einem wohnlich eingerichteten Zimmer zur Straßenseite hin arbeite der Meister auf einem dreibeinigen Hocker um die 12 Stunden am Tag, umgeben von von vielen Utensilien, angefangen vom Schusterhammer, bestimmten Zangen, Ahlen, Leimtopf, Nägeln usw. bis hin zur Petroleumlampe mit Wasser gefüllten Glaskugeln, die das Licht bündeln sollten.

Die Schuhe wurden nach Maß angefertigt.

Der Vertrieb der fertigen Schuhe erfolgte in die umliegenden Orte bis  nach 
Hameln, und Paderborn.

Die Schuhe hatten einen guten Ruf und waren sehr preiswert (zum Leidwesen der Schuhmacher in den Nachbarorten!)

 

 

 

Nach einem kleinen Sekt empfang konnte man die obere Etage besuchen, wo auf etlichen Stellwänden viele Einzelheiten dargestellt wird.

Hier suchen alte Blomberger die Mitglieder der Familie Prasse auf einem Foto von 1929

 

Durch eine halbhohe Plexiglastür konnte man die Schuhmacherstube ansehen.

Hier eine  reich verzierte Nähmaschine der Marke Kolibri.

 

 

Interessant die Petroleumlampe mit einer Glaskugel   



Viele Einzelheiten sind in einer kleinen Broschüre  beschrieben, 
die für 3 Euro erworben werden kann-

Im Jahr 1878 wurde die erste (und einzige) Schuhfabrik in Blomberg von Heinrich Prasse gegründet. 

Vor dem Niederntor rechts entstand 1906 das Wohnhaus der Familie Prasse und links 1909 die neue Fabrik.

Die Anfertigung der Schuhe wurde in einzelne Arbeitsgänge zerlegt und von verschiedenen Spezialisten durchgeführt.

In der Mitte des 20. Jahrhundert hatte die Firma 1000 Schuhgeschäfte als Kunden, die aber z. T. nur 3 Paar Schuhe pro Jahr bestellte.

1977 wurde die Schuhfabrik aus dem Handelsregister gelöscht. 1987 starb der Besitzer, nach dem er noch einige Jahre als Großhändler und Vertreter gearbeitet hatte.

Heute ist die Fabrik aus Denkmalschützgründen abgerissen. Das alte Wohnhaus ist nicht mehr verpachtet und wartet auf einen neue Verwendung.

Hier haben sich für den Fotografen noch einmal die anwesenden noch lebenden Nachfahren der alten Familie Prasse vor  dem Bericht ihrer Firma aufgestellt:

Uta Morse, Heinrich Prasse als Sohn des letzten Inhabers, Frigga Gudelle, seine Schwester, Hildegard Prasse, Ehefrau von Heinrich Prasse, Gesa Schuddeboom und Martinus Schuddeboon 
(von links n. rechts)

 

Gemälde von Ernst Rötteken 
 Kunstmaler und Grafiker,  (02.03.1882 --  02.04.1945)
als Auftragsarbeit 1938 in Öl gemalt. 
(Heute im Besitz von Hanno Prasse, Detmold)

Schuhfabrik (l) (1980 abgerissen), Niederntor (m) und Wohnhaus (r)  der Familie Prasse

 

Ein Flyer zum Thema Schuhmacherhandwerk und Schuhfabrik Prasse liegt in der Stadtbibliothek aus

 

 

 

 

 

     

Auf einem Monitor im Obergeschoß kann man 
ein Video ansehen.

 

 

 

Auch im Untergeschoß ist ein Monitor angebracht. Hier freuen sich Hannelore Budde und Nadine Behrmann über die gelungene Veranstaltung!

 

 

                                         Text und Fotos: Friedrich Storkebaum 

                                                                                                                                                                                                                                                            

 *)

 

**)

 

Am 25. November erschien ein Artikel in der Lippischen Landeszeitung Nr. 274. 
Der Artikel geht hauptsächlich auf den Schuster Bernd Claasen ein.  (siehe auch Notiz rechts!)

 

Auch der Blomberger Anzeiger  würdigt die Eröffnung der Dauerausstellung und 
der Schuhmacherwerkstatt in der Stadtbücherei.

Auch von BLOMBERG VOICES gibt es einen Bericht

In LIPPE aktuell erscheint ein umfassender Bericht am 10.01.2015


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