23. Mai 2015 : 

Hausbesuch in Reelkirchen 
bei Timo Broeker

Der Heimatverein Blomberg veranstaltet möglichst einmal im Jahr einen "Hausbesuch". Dabei werden historische Gebäude besucht und besichtigt, die von ihren Eigentümern in vorbildlicher Weise instandgesetzt und restauriert werden.
 In diesem Jahr besuchten wir das Haus von Timo Broeker auf dem früheren Hof Brunsiek in Reelkirchen, Mittelstraße 14.
Das große Fachwerkhaus wurde 1616 erbaut und ist eines der ältesten und prächtigsten Bauernhäuser im ganzen Blomberger Becken. Es ist das alte Haupthaus des alten Hofes Wieneke in Reelkirchen (seit 1900 Brunsiek). 
Wieneke war Großkötter, also ein mittelgroßer Bauer. Seit 1999 wird das Gebäude von Timo Broeker instandgesetzt und restauriert, im nächsten Jahr soll der 400-jährige "Geburtstag" des Hauses mit einem Tag der offenen Tür gefeiert werden. 
Der Heimatverein durfte schon in diesem Jahr einen Blick in das Gebäude werfen, auch wenn die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind.

Der Erbauer des Hauses war vermutlich der Großkötter Dieterich Wieneke, der in Schatzregistern (Steuerlisten) von 1614 und 1618 genannt wird. 1614 besaß er immerhin 9 Pferde, 2 Stotten (Jungpferde), 6 Kühe, 8 Rinder, 1 Schwein und 8 Ferkel. Damit kann das prächtige Haus als Ausdruck des Wohlstandes dieses Hofes kurz vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges gelten. 1644, vier Jahre vor dem Ende des Krieges besaß Johann Wineken, wohl der Sohn von Dieterich, nur noch 1 Pferd, eine Kuh, ein Kalb und zwei Ferkel. Zu dem Hof gehörten damals 66 Scheffelsaat (etwa 11 Hektar) Ackerland.

 

Dr. Heinrich Stiewe, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Blomberg, hat das Gebäude bereits 1982 aufgemessen und gezeichnet.

 Die Zeichnungen und eine genaue Beschreibung des Hauses finden sich in seinem Buch
"Lippische Bauernhöfe des 16. bis 19. Jahrhunderts" (Detmold 1985).

 Dort finden wir auch Informationen zur Geschichte des Hofes: (s.o.)

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Uwe Feiert, Dr. Heinrich Stiewe, Erhard Oerder und Timo Broeker 
(von l. n. r.)

 

Dr. Heinrich Stiewe überreichte Herrn Broeker sein Buch "Fachwerkhäuser in Deutschland" (von 2007),  in dem u. a. ein Foto der Backstein-Zierausmauerungen dieses Hauses enthalten ist.

Die Balkenlage über dem Torbogen ist mit Zahnschnitt und Akanthusblättern verziert, die gleichen Motive
 finden sich an Blomberger Fachwerkhäusern
 des 17. Jahrhunderts.
 Wahrscheinlich hatte man zum Bau des Hauses in Reelkirchen einen "Kleinschnitker" (Holzschnitzer) aus Blomberg geholt.

 

Auf dem Torbogen ist bei schräg einfallendem Sonnenlicht die Datierung "ANNO DOMI Ni 1616" lesbar, Timo Broeker hat sie mit blauer Kreide nachgezeichnet.
Der Rest der Inschrift, der vermutlich die Namen des Bauherrn und seiner Frau enthält, ist noch nicht entziffert.

 

 

 

Oben die Passage aus dem Fachwerkband.

Hier der heutige Zustand der Fassade 

 

 

Dann ging es in die große Diele, wo H. Stiewe aus seinen Band von 1985 zum Haus Nr. 14 vortrug



Südostseite



Südwestseite

  Nordwestseite

 

Das Dach ist 2014 neu gedeckt worden, nachdem der rückwärtige Giebel mit Hilfe von Seilzügen wieder ins Lot gebracht worden ist.

 

Ein Video zeigte uns die Bewegung des Daches im Zeitraffer.



Liebe Nachbarn, Freunde vom Fach und  Vater Broeker halfen nach Kräften. Moderne "Fachleute" trauten sich oft nicht zu, Verantwortung zu übernehmen.

Besondere Schwierigkeiten bereitete ein gebrochener Deckenbalken im Innern über der Deele, der trotz darauf ruhender Dachlast ausgetauscht werden musste.

Noch steht eine Baustütze unter dem reparierten Balken, 
bis auch der tragende Ständer (rechts) restauriert ist.

 

 

 

Wir danken Herrn Broeker für seine Gastfreundschaft! 

(Es gab Kaffee und Kuchen für alle Besucher (ca. 30 Personen!))

Auch die Lippische Landeszeitung besuchte das alte Fachwerkhaus

Wir wünschen der Familie Broeker gutes Gelingen bei den weiteren Arbeiten. 

Es gibt noch viel zu tun! 

Alles Gute weiterhin !!!

Stiewe/Storkebaum        


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