Donnerstag, 6. April, 19.30 Uhr, Stadtbücherei Blomberg, Kuhstraße 16

 

Vortrag von Dr. Florian Lueke;

 

 

 

Geschichte des Sports in Lippe




 

In seiner Doktorarbeit untersuchte der Sporthistoriker Florian Lueke die Geschichte des Sports in Lippe.

In einem gut durchstrukturierten Vortrag trug er Teile seiner Forschungen vor einem kleinen Kreis von Heimatvereinsmitgliedern und Sport Interessierten vor.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann die Gründung von vielen Turn- und Sportvereinen in den Großstädten. In Lippe verzögerte sich der Start , aber um 1860 herum tauchen die ersten Turnvereine  auf. Kerngebiet war die Stadt Lage und die angrenzenden Orte.

Die Gründungsväter kamen aus vielen Schichten. Vielfach waren sie deutsch national gesinnt, Bürgerliche, Arbeiter,  Sozialdemokraten. Kommunisten, Evangelische (reformiert oder lutherisch), Katholische.

Meist war die Ausrichtung auf Männer gerichtet und eine Vorstufe für die militärische Ausbildung war das Ziel.

Der junge Turnvater Jahn setzte sich hauptsächlich für eine allgemeine Körperertüchtigung ein, der Spätere hatte mehr politische Ziele.

Heute wird mehr des jüngeren Turnvater Jahns gedacht! 

Oft gab es Rivalitäten unter den Vereinen. Wanderarbeiter kamen oft nicht recht mit Einheimischen klar. Recht gute Sportler wurden aber auch teils untereinander umworben und wechselten die Vereine.

Speerwerfen hatte zunächst als Ziel, ästhetisch auszusehen und ein Ziel zu treffen!

Der neue englische Sport (Fußball) führte zur Gründung von besonderen Sportvereinen gegenüber den alten Turnvereinen.

Da bewegte Sportarten damals nicht gut zu fotografieren waren , gab es oft "Standbilder"

Ab 1930 wurden alle Turn- und Sportvereine gleichgeschaltet. Der militärische Drill stand im Vordergrund. Jüdische Mitglieder wurden aus den Vereinlisten gestrichen. Aus alten Dokumentfotos wurden jüdische Teilnehmer wegretuschiert oder weggekratzt. Auch noch Jahre nach Kriegsende wurden diese retuschierten Fotos in Jubiläumsschriften verwendet.

Ein seltenes Dokument! Viele Dokumente der damaligen Zeit wurden vernichtet. In den Vereinsakten fehlen dann sogar die Protokolle der entsprechenden Sitzungen mit den diskriminierenden Beschlüssen!

Hier wurde rechts oben ein jüdischer Mitbürger wegretuschiert!

 

Hier wurde das Gesicht durch Kratzen unkenntlich gemacht!

Auch die Sportstätten wandelten sich. Aus den alten Turnhallen verschwand das Sägemehl. Aus dem Feldhandball wurde Hallenhandball mit neuartigen Böden.

Auch für Frauen gab es extra Abteilungen (Anfangs nur Volkstanzgruppen!)

Lange wurde diskutiert, welche Kleidung Frauen tragen durften und welche Sportarten gesundheitsgefährdend für Frauen sind!

     

Wir danken Herrn Dr. Florian Lueke für den Einblick in seine Forschungen. 

Vielleicht studiert ja manch einer mal in den Akten seinen Turn- oder Sportvereins im Archiv, wie dort die Vergangenheit aussah.

Vieles ist mit dem Abdanken der alten Vereinsführungen ab 1960 in den Vereinen geändert worden. Der militärische Drill , an den sich mach einer der Zuhörer noch erinnert, ist fast ganz verschwunden.

Es wurde an Sätze erinnert, wie "Der mit den langen Haaren kommt mir nicht in den Verein" oder "Ihr lauft ja wie eine Hammelherde, Ihr müsst ja erst mal marschieren lernen"

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