Samstag, 15. Juli, 2017

Fahrt zum Gerberei-Museum in Enger und Besuch des Widukind-Museums in Enger

Pünktlich um 10 Uhr starteten wir mit 3 Privaten Pkws  zur Exkursion nach Enger. Anlass war das Schuhprojekt unseres Vereins. Die Kinder besuchten schon das Gerberei-Museum und waren begeistert, so dass wir Erwachsene es auch als lohnendes Ziel ansahen. Einmal in Enger, besuchten wir als Heimatverbundene natürlich auch die Stiftskirche in Enger und das neu eingerichtete Widukind-Museum.

An der höchsten Stelle in Enger erhebt sich Stiftskirche. Der Turm aus neuerer Zeit wurde neben an gebaut. Die Risse über der Eingangstür weisen auf den sandigen Unterbau hin. Alte Türme dort hielten sich nicht lange.

Unsere Führerin erläuterte sachlich die Historie um Widukind. Fast nichts ist belegt. Auch die Daten über die Kirche sind verloren gegangen.

Der passgenaue Flügelaltar soll in einer Hildesheimer Schnitzerwerkstatt entstanden sein.

Wann  und woher er kommt, ist unbekannt.

Bemerkenswert im Abendmahlsbild sind die eckigen Brötchen, wie sie noch heute in Enger zu kaufen sind (?)

Hinter dem Flügelaltar befindet sich der Sarkophag von Widukind

Widukind soll aber in einem Kloster in Frankreich unbekannt verstorben sein

Die Gebeine, die in einem Schrein 
hinter dem Sarkophag aufbewahrt werden, 
sollen aber dem Glauben der Engeraner nach  von 

 Widukind 

stammen!

Gleich neben der Kirche befindet sich das Widukind Museum.

Seit 1930 wird dort der Kult um Widukind demonstriert.

Ab 1945 war es lange Zeit geschlossen.

Später wurde es neu ausgerichtet.

Ab 2007 gibt es 
das neue Widukind Museum 
mit moderner Gestaltung

 

In Innere  kommt man  durch die alte Runentür

Aufzeichnungen des langen Krieges zwischen 
Widukind, dem Sachsen und Karl dem Großen gibt es nur  von Einhard aus Frankensicht. 
Von den  Sachsen gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen

Nach erfolgreicher Besiegung der Sachsen mit Bekehrung und Taufe von Widukind entstehen überall im Land christliche Kirchen,
 hier der Ausschnitt um Blomberg

Hier eine Nachbildung der Taufschale, die bei Widukinds Taufe mit Sicherheit nicht verwand wurde!

Zwei Heidnische Amulette

(Durch Klick auf den Text kann man ihn vergrößern)

Bei neueren Ausgrabungen in der heutigen Stiftskirche fand man tatsächlich die alten Grundmauern der ersten Kirche mit vielen Gräbern, drei direkt unter dem Altar. Die Knochen waren gut erhalten. Die DNA wies auf eínen Tod um 800 (+/- 10 Jahre) hin. Alter ca. 60 Jahre, zwei Brüder und ein Verwandter, etwas jünger.

Der Kult um Widukind begann erst ca. 200 Jahre später. Die neuen sächsischen Könige wollten alle von Widukind abstammen. Hier ein Stammbaum der Wettiner, mit Widukind als Stanmvater (frei erfunden!)

Die vielen Bilder von Widukind spiegeln mehr den jeweiligen Zeitgeist der Entstehung, als das wahre Aussehen des Fürsten der Sachsen.

Heinrich I  heiratete die 13 Jährige Mathilde aus dem Herforder Raum als Nachfahrin von Widukind, um seine Beziehung zum Sachsentum zu dokumentieren.

Nach dem Tode von Heinrich I 936 stiftete Mathilde von ihrem Erbe neben vielen anderen Stiftungen ein Kanonikerstift in  Enger. Man nimmt daher an, dass sie vielleicht ihre Kindheit in Enger zugebracht hat (!?)

Sie selbst wurde in Quedlinburg beigesetzt.

 

 

Zum Lesen bitte anklicken!

 

Nach kurzer Mittagspause ging es durch den Ort zum Gerberei Museum.

 

Wir wurden von einer sehr eifrigen Führerin begrüßt und in alle Einzelheiter der Gerberei eingeweiht. Sie hatte den letzten Besitzer, Herrn Heinrich Sasse selbst nach allem fragen können und er gab ihr über alle technischen Problem gerne Auskunft, nur über Kosten und Gewinne sprach er nie!

 

Nun gehört die ganze Anlage der Stadt und wird von einem Verein "Gerbereimuseum e.V." betreut.

Viele große Maschinen gab es zu bewundern, alles alte Originale mit ausgefeilter Technik 
und guter Beschriftung

Seit 1740 war die Gerberei Sasse im Familienbesitz.

1940 feierte sie 200 jähriges Jubiläum.

1995 ging Heinrich Sasse in den Ruhestand

Hier werden die Häute auf gleiche Dicke gehobelt

Hier eine ganze Kuhhaut

Aber auch Dichtungen für alte Autos und Riemen für Nähmaschinen wurden produziert

Kurioses am Rande: eine durch Dasselfliege unbrauchbar gewordenes Stück Rinderhaut.

Hier ein Stück Rindleder mit Kaiserschnittnarbe, oben die Oberseite, unten die Unterseite mit Narbe und Nadelstichen!

Hier hat ein Jäger mit Bleischrot (versehendlich) ein Rind getroffen.

Die Bleikugeln ruinieren die Messer beim Spalten des Leders, dass konnte teuer werden!

Schlangen- und Krokodilleder soll es heute nicht mehr geben. Alle Krokoledertaschen sind mit entsprechenden Mustern bedruckte Ziegen- Schaf-Rindlederfelle.

Hier noch ein altes Naturstück mit echten Schuppen

Rind- und Schweineleder werden meistens noch gespalten. Die Unterseite wird mit Pappe kaschiert und bedruckt für Gürtel, Schultaschen, billige Ledermöbel.

Von einem in Konkurs gegangenen Pelzgeschäft konnten auch einige exotische Felle übernommen werden: hier z. B. Bisamratte und Zebra. (rechts)

Hier die letzte , aber wichtige Errungenschaft der Gerberei, die Maschine, die die Flächengröße einer Lederhaut misst.

Damit war die Zeit des Schätzens der Größe einer Haut vorbei und ein ewiger Streit war beigelegt.

 

 

 

Wir bedankten uns für die schöne Führung und verewigten uns im Gästebuch. Dort fanden wir auch den Eintrag unserer Kindergruppe vom Schuhprojekt (rechts).

Eine interessante Exkursion ging zu ende. 

Schade, dass nur so weinig Teilnehmer mitkamen.

 

 

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