Freitag, 13. Oktober, 19.00 Uhr, Gemeindehaus der reformierten Kirchengemeinde Blomberg

Vortrag von Prof. Dr. U. Meier (Uni Bielefeld)

„Reformation in Blomberg“

 

Der Blomberger Uli Meier hat sich nach seiner Pensionierung in die hiesigen Archive begeben und zur Reformation in Blomberg geforscht. Es ist erstaunlich, wie viele Dokumente allein In Blomberg liegen, die noch nicht ausgewertet sind. Es machte Ihm sichtlich Freude, viele Einzelheiten zu dem Thema in lockerer Art und Weise vorzutragen.

Sein Vortrag gliederte sich in drei Abschnitte: a) Die Zeit vor der Reformation in Blomberg; b) die Zeit nach der Reformation in Blomberg; c) die zweite Reformation (Wechsel von der lutherischen zur calvinistischen Glaubensauffassung.

Zu a) Die Zeit vor der Reformation:

Bereits um 1400 gab es in Wilbasen eine wundertätige Madonna, die Pilgerströme anlockte. 
Im Jahr 1447 wurde in der Soester Fehde Blomberg völlig zerstört. Jedoch führte die Cöllsche Straße weiterhin durchs Niedere Tor über den Marktplatz durch das Heutor über den Eichenberg über Hameln noch Norden. Kaufleute und Soldaten von Süden nach Norden mussten alle durch Blomberg. Die Aufräumarbeiten gingen zügig voran.
Es fügte sich da 1460 der Hostienfrevel gut ein: der Brunnen war wundertätig, es gab besonders viele Wunder in Blomberg und die Ablässe waren weit und breit die großzügigsten.
1462 wurde eine Kapelle über dem Brunnen gebaut, 1468 ein Kloster gegründet (Augustiner Chorherren). Es waren ca. 30 bis 40 Mönche mit dem Ablassgeschäft beschäftigt und Blomberg lebte wieder richtig auf (ca. 1.500 Einwohner). Von weither (Niederlande, Dänemark) kamen die Pilger.
Ab 1520 begann dann der langsame Niedergang des Ablasswesens. Der letzte katholische
Priester, Liborius Schmidt, zog 1539 nach Paderborn, behielt sich aber ein Wohnrecht im Pfarrhaus in der Wehme . 

Zu b) Die ersten evangelischen Pfarrer waren Konrad Meyer (ab 1539), Eberhard Tilken (ab 1549) danach der erfolgreiche Jobst Piderit (1557 - 1584)
Im Landtag von Cappel 1538 gab es die erste Lutherische Kirchenordnung. Der Reformator und Visiteur aus Wittenberg, Corvinius, war 1542 im Blomberg, um nach dem Rechten zu sehen.
Es folgte in Lippe eine 70 Jahre lange Friedenszeit. Während im Norden und Süden heftige Kämpfe tobten, entwickelte sich in Lippe eine rege Bautätigkeit.

Besondere Gewinne machten die kleinen regionalen Grafen. Sie stellten Söldnertruppen zusammen und überließen diese den Kriegsführenden Fürsten. Mit den Gewinnen entstanden die Herrschaftshäuser über all im Land (Weserrenaicance) : Schloss Hämelschenburg, Schloss Kerssebrock, Schwöbbers, Herrentrup, Wöbbel usw.

Zu c) 1605 machte der Lippische Fürst Simon der VI von seinem Recht gebrauch, als Landesherr die Konfession zu bestimmen. So wurde Lippe reformiert im calvinistische Sinne.
 Bis heute ist es in Blomberg so geblieben (anders in Lemgo!) Der erste reformierte Pfarrer in Blomberg war Abraham Theopold. Er bekam 1616 die 2. Pfarrstelle in Blomberg, die ab 1628 als reformierte Pfarrstelle geführt wurde.

Interessant ist die Reliefplatte aus dem16. Jahrhundert. Sie befand sich in der St. Martin Kirche, bis diese 1833 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Heute ist das Relief im Schloss Brake in der Daueausstellung.

Der Auferstandene steht auf dem Deckel des geschlossenen Grabes. Der Auferstandene ist allmächtig und stets gegenwärtig, im Abendmahl bei Brot und Wein und in allen Lebenslagen. Er dringt durch Mauern und braucht keinen offenen Sargdeckel.

Das Motiv des Auferstandenen wird aber auch in anderen Darstellungen mit geöffneten Deckel gezeigt. Der Auferstandene steigt aus dem offenen Grab mit weggewälztem Stein.

In manchen Gemeinden damals entbrannte ein Streit, welche Auffassung korrekt ist und welches Relief man in der Kirche haben wollte.

 

Der Ablass in Blomberg war besonders attraktiv. Die Gebrüder Bischof Simon zur Lippe aus Paderborn und der Lippische Landesherr arbeiteten eng zusammen.

Die Kirchen in der Vorreformation zeichneten sich vor allen durch eine Vielzahl an Altären aus.  Sitzgelegenheiten gab es nicht. Zu jedem Altar gehörte ein Priester zur Verwaltung.

Im Zuge der Reformation wurden dann viele Altäre ausgelagert bis hin zu dem heutigen Zustand, wo nur noch  ein Tisch mit Bibel übrig blieb. Dafür aber ein Chorgestühl eingefügt wurde.

Nebenbei fand Prof. Dr. U. Meier diese Steuerliste: Es gab also 7 Bruderschaften, die mit Geld und persönlichem Einsatz allgemeinnützige Aufgaben wahrnahmen.

Die Geistlichkeit in Blomberg legte großen Wert auf besondere Anerkennung durch die Ratsherren. besonders der Pfarrer Jobst Piderit legte wert auf die Feststellung, neben dem Predigtamt auch bei Bestrafungen mitreden zu dürfen, So sind über 60 Schlichtungsfälle dokumentiert, in dem die harten Strafen durch mildere Strafen ersetzt wurden.

Pfarrer Herrmann Donay bedankt sich als Hausherr für den lebendigen Vortrag.


Unser Vorsitzender bedankt sich ebenfalls

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